Politik
nach 1945 bis 1990

Die unterschiedlichen Vorstellungen der Alliierten über die Zukunft Deutschlands zeigen sich bis 1948 immer deutlicher. Die Wahrnehmung, dass sich im Osten und im Westen zwei ideologische Blöcke gegenüberstehen, nimmt zu: Die Sowjetunion betrachtet den "imperialistischen-antidemokratischen Westen" als Gegner. Die USA und deren Verbündete sehen im Kommunismus eine Bedrohung für die "freie Welt". Hierüber scheitert die gemeinsame Viermächte-Regierung der Alliierten in Deutschland. Die deutsche Teilung beginnt sich abzuzeichnen.

Distanzierung

Bereits Anfang September 1946 spricht der amerikanische Außenminister James Byrnes in Stuttgart davon, dass sein Land lieber ein geteiltes Deutschland sehe, als ein geeintes unter sowjetischer Vormacht.

Die Entfremdung zwischen Ost und West setzt sich fort: Um die deutsche Wirtschaft besser koordinieren zu können, schlagen die USA eine gemeinsame Wirtschaftsverwaltung aller vier Zonen vor. Die Sowjetunion lehnt dies ab. Die USA und Großbritannien schaffen Anfang Januar 1947 die "Bizone". Frankreich tritt erst im April 1949 bei.

Eine Konferenz der alliierten Außenminister zur Zukunft Deutschlands endet ergebnislos in Moskau. Am 12. März 1947 verkündet US-Präsident Harry Truman das Ziel, den als bedrohlich empfundenen Sowjetkommunismus einzudämmen. Dies sei von nun an außenpolitische Leitlinie der USA (Truman-Doktrin).

Ende 1947 scheitern letzte Gesprächsversuche der Alliierten, sich in der Deutschlandfrage zu einigen. Die Westmächte streben jetzt die Gründung eines westdeutschen Staates an. Am 20. März 1948 verlässt der sowjetische Vertreter Marshall Sokolowski den Alliierten Kontrollrat.

(mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 20.11.2014
Text: CC BY NC SA 4.0

 
 
  Die drei Westmächte und die Sowjetunion teilten Deutschland und Österreich 1945 in Besatzungszonen auf.  
     
  Auch in der amerikanischen Zone verschlechterte sich die Versorgungslage Ende des Jahres 1946 dramatisch. Die täglichen Kalorienmengen gingen auf knapp 1.600 zurück. Nur durch die private Spendenbereitschaft der Amerikaner (CARE-Pakete) und großzügig aufgelegte Hilfsprogramme (GARIOA = Government Aid and Relief in Occupied Areas) konnte Schlimmeres verhindert werden. Im Gegensatz zu Frankreich und der Sowjetunion ging es den USA nicht darum, mit Reparationen eigene Verluste im Krieg aufzufangen. Zwar wurden auch hier Wissenschaftler und Spezialisten in die USA gebracht, aber das grundlegende Interesse galt der raschen Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Diese Einstellung hatte weniger mit Großherzigkeit als mit nüchterner Betrachtung zu tun: Die Volkswirtschaften Europas, so stellte Ex-Präsident Hoover bereits 1947 fest, seien so eng verwoben, dass der Ausfall Deutschlands ganz Europa treffen würde. So lange die eigene Besatzungszone am Boden liege, sei dies eine enorme Belastung für die amerikanischen Steuerzahler – und dies auf unabsehbare Zeit. Schon aus diesem Grund hatte die USA Interesse am raschen Abschluss eines Friedensvertrages. Einen ersten Schritt zur Senkung der Besatzungskosten stellte der Zusammenschluss von amerikanischer und britischer Zone zur "Bizone" ab 1.1.1947 dar.  
 
In den Grundzügen waren sich die Briten mit den Amerikanern hinsichtlich des Besatzungskonzepts einig. Allerdings verfolgten sie in der Frage der Reparationen einen anderen Weg: Sie verlangten diese auch, um den Konkurrenten Deutschland längerfristig wirtschaftlich zu schwächen.

Grundsätzlich zweifelte Großbritannien nicht an, dass Deutschland wieder ein starker Industriestaat werden müsse und dass der Wiederaufbau sich relativ schnell vollziehen müsse. Außerdem litt die im Krieg geschwächte britische Volkswirtschaft stark unter den Ausgaben für die Besatzung: Im Winter 1946/47 mussten gar Einbußen in der Versorgung der eigenen Bevölkerung hingenommen werden, um die Menschen in der britischen Besatzungszone nicht verhungern zu lassen.

 
 
  Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika verbindet eine lange, gewachsene Freundschaft. Sie teilen viele gemeinsame Erfahrungen, Werte und Interessen, auch wenn es mitunter Kontroversen gibt. Deutschland verdankt den USA viel: Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marshall Plan wirtschaftliche Hilfe geleistet und politische Hilfestellung gegeben. Ohne die Vereinigten Staaten als Garant der Freiheit in den Jahrzehnten des Kalten Krieges und ohne die amerikanische Unterstützung bei der deutschen Wiedervereinigung wäre diese Wiedervereinigung in Freiheit nicht erreicht worden.  
 
Bereits 1946 sahen sich die USA gezwungen, die ehemaligen Kriegsgegner mit Hilfsgütern (GARIOA) zu versorgen. Trotzdem brach im strengen Winter 1946/47, dem sog. Hungerwinter, die Versorgung in vielen deutschen Städten zusammen.[8]

Auf der Pariser Außenministerkonferenz im Mai 1946 wurden die Spannungen und das Misstrauen zwischen den USA und der Sowjetunion immer deutlicher. Dieses führte zu einem Umdenken der Amerikaner und Briten bei der Besatzungspolitik. Ende Mai 1946 stellten die USA die Reparationslieferungen aus ihrer Zone an die Sowjetunion ein. Großbritannien und die USA vereinbarten eine stärkere Kooperation und beschlossen 1947 die Bizone zu gründen. 1948 wurde diese unter Einschluss der französisch besetzten Gebiete zur Trizone erweitert.[9]

 
 
 
Der Marshallplan[1], offiziell European Recovery Program (ERP), war ein historisch bedeutendes Wirtschaftsförderungsprogramm der USA für den Wiederaufbau der Staaten Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zeitraum von 1948 bis 1952 wurden Hilfen im Wert von insgesamt 13,12 Milliarden[2] US-Dollar (entspricht 2020 rund 141,67 Milliarden Dollar)[3] an viele, insbesondere westeuropäische Staaten geleistet.[4] Unter den am Programm teilnehmenden Staaten befanden sich neben den im Zweiten Weltkrieg mit den USA verbündeten Staaten wie Großbritannien, Frankreich und den Beneluxländern auch die Kriegsgegner Bundesrepublik Deutschland und Österreich. Den mittel- und osteuropäischen Staaten und der Sowjetunion wurden die Hilfe ebenfalls angeboten. Allerdings zog sich die Sowjetunion bald aus den Verhandlungen zurück und verbot auch den unter ihrem Einfluss stehenden europäischen Staaten die Teilnahme.[5]

Die Hilfsleistungen bestanden zu einem großen Teil aus Krediten sowie Lieferung von Rohstoffen, Lebensmitteln und Industriegütern. Das Programm verstand sich als Hilfe zur Selbsthilfe und war an Bedingungen geknüpft, wie dem Abbau von Handelshemmnissen, der Stabilisierung der eigenen Währung oder der zwischenstaatlichen Kooperation. Die Initiative ging vom damaligen US-Außenminister George C. Marshall (Amtszeit 1947 bis 1949) aus, nach dem das Programm benannt und der deshalb auch 1953 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Da in den westeuropäischen Ländern spätestens ab 1950 der Nachkriegsboom einsetzte, galt und gilt der Marshallplan in der Bevölkerung als sehr erfolgreich, insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland.[6] Wie groß sein tatsächlicher Anteil am Wirtschaftsaufschwung war, ist aber umstritten. Ohne Zweifel beschleunigte der Marshallplan die wirtschaftliche Erholung in Europa.[7] Zudem war er ein entscheidender Impuls für die europäische Integration und den Abbau von Handelshemmnissen zwischen den westeuropäischen Staaten. Im Rahmen des Marshallplans wurde die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD bzw. erst OEEC) gegründet.

 
 
 
Die Vereinigten Staaten von Amerika gingen als einziges Land gestärkt aus dem Zweiten Weltkrieg hervor. Das Land hatte keine Kriegszerstörungen zu verkraften. Zudem erlebten die USA während des Zweiten Weltkrieges einen Wirtschaftsboom, da sehr viele Kriegsgüter dort produziert wurden. Die Umstellung der Wirtschaft nach dem Krieg auf Güter für den privaten Konsum war allerdings nicht unproblematisch, da die Absatzmärkte in Europa nicht existierten. So war der Bedarf an Lebensmitteln und Industriegütern aus den USA in Europa zwar groß, allerdings verfügten die Länder dort nicht über die notwendigen Dollarreserven.

Die künftige außenpolitische Ausrichtung des Landes war keineswegs unumstritten. Vor allem von Seiten der Republikaner gab es Forderungen nach einer Rückkehr zum Isolationismus. Der demokratische Präsident Truman war hingegen der Ansicht, die USA müssten ihre weltpolitische Verantwortung wahrnehmen. Die Angst vor dem Kommunismus war allerdings auch bei den Republikanern weit verbreitet.

Ein Auslöser für die Entscheidung, die europäischen Länder einschließlich Deutschland zu unterstützen, war die Containment-Politik unter Präsident Truman. Als ein Wendepunkt und damit auch der Beginn des Kalten Krieges wird häufig die Rede des amerikanischen Präsidenten am 12. März 1947 gesehen. In der Rede versprach er allen „freien Völkern“ Unterstützung gegen Umsturzversuche durch die Sowjetunion. Anlass war die Situation in Griechenland und der Türkei, wo die Sowjetunion versuchte ihren Einflusssphäre auszubauen. Aufgrund der 1947 einsetzenden finanziellen Hilfen durch die USA gelang dies der UdSSR nicht.

 
 
 

Entstehen des Marshallplans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Richtungswechsel in der amerikanischen Deutschlandpolitik deutete sich bereits am 6. September 1946 in der Rede des US-Außenministers James F. Byrnes, der sog. Hoffnungsrede, in Stuttgart an. Als die Außenministerkonferenz in Moskau im Frühjahr 1947 ohne greifbare Ergebnisse zu Ende ging, führte dies beim US-Außenminister Marshall zu der Einsicht, dass die USA mehr zur Stabilisierung der Länder in Europa tun müssen. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Moskau beauftragte er George F. Kennan, die Grundzüge eines Aufbauprogramms auszuarbeiten.[12] In Bezug auf die Besatzungspolitik befand sich das dafür verantwortliche amerikanische Außenministerium in einem Dilemma. Im Rahmen der Containment-Politik musste verhindert werden, dass die Sowjetunion ihren Einfluss auf die westlichen Besatzungszonen in Deutschland und Österreich ausdehnte. Deshalb sah man die Notwendigkeit, Deutschland und Österreich wirtschaftlich und moralisch aufzubauen. Dem wirtschaftlichen Aufbau standen aber die Beschränkungen bei der Industrie und Reparationsleistungen, wie den quasi entschädigungslosen Export von Kohle und anderen Rohstoffen, entgegen. Vor allem Frankreich bestand auf Entschädigung. Deshalb fürchtete Marshall, Wirtschaftshilfe für Deutschland hätte ein „politisches Desaster in Frankreich“ und in der übrigen Welt zur Folge. „Marshall wollte die Vereinigten Staaten nicht dem Vorwurf aussetzen, über die Köpfe ihrer Freunde und Alliierte hinweg den gerade besiegten Feind zum Wiederaufbau zu verhelfen.“[13]

Rede Marshalls am 5. Juni 1947[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

US-Außenminister George C. Marshall

In einer berühmten, ca. zehnminütigen Rede vor Absolventen der Harvard University schlug Außenminister Marshall am 5. Juni 1947 erstmals ein Hilfsprogramm für alle Staaten in Europa vor.[14]

In der Rede geht Marshall zunächst die wirtschaftlichen Verwerfungen in Europa sehr allgemein ein. Dabei hebt er hervor, „daß die […] sichtbaren Zerstörungen wahrscheinlich weniger folgenschwer sind als die Desorganisation des ganzen Gefüges der europäischen Wirtschaft.“[14] Er beschreibt, dass sich durch die NS-Herrschaft sowie den Krieg Handelsbeziehungen aufgelöst haben. Zudem funktioniere „die Grundlage der modernen Zivilisation“, die Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land, nicht mehr. Dies habe eine Versorgungskrise insbesondere in den Städten zur Folge.

Er hebt hervor, dass das wirtschaftliche und politische Interesse der USA an einem stabilen Europa offensichtlich sei. Die Hilfe der USA richte sich „nicht gegen irgendein Land oder eine Anschauung, sondern gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und Chaos.“ Er lädt alle Länder in Europa zur Teilnahme ein, wobei eine Spitze gegen die UdSSR, wenn auch nicht ausdrücklich genannt, schon deutlich ist:

"Ich bin davon überzeugt, daß jede Regierung, die am Wiederaufbau mitarbeiten will, die volle Unterstützung der Vereinigten Staaten finden wird. Eine Regierung aber, die darauf hinarbeitet, den Wiederaufbau anderer Länder zu behindern, kann von uns keine Hilfe erwarten. Darüber hinaus müssen Regierungen, politische Parteien oder Gruppen, die das menschliche Elend verewigen wollen, um davon politisch oder sonstwie zu profitieren, mit der Gegnerschaft der Vereinigten Staaten rechnen."[14]

Der Ansatz Marshalls, der später auch als "Hilfe zur Selbsthilfe" bezeichnet wird, wird von ihm erst am Ende der Rede erläutert. Er nennt Bedingungen, die mit dem Hilfsangebot verknüpft sind:

"Es ist aber klar, daß, […] die europäischen Länder in Bezug auf die Erfordernisse der Lage und des Anteils, den sie selbst übernehmen werden, zu einer Verständigung kommen müssen […]. Es wäre für die Regierung der Vereinigten Staaten weder angemessen noch wirkungsvoll, wenn sie in einseitiger Weise ein Programm aufstellen würde, das dazu bestimmt ist, Europa wirtschaftlich wieder auf eigene Füße zu stellen. Das ist Sache der Europäer. Ich glaube, daß die Initiative von Europa ausgehen muß. […] Das Programm sollte von den europäischen Nationen gemeinsam aufgestellt und von einer Anzahl derselben, wenn nicht von allen, gebilligt sein."[14]

Voraussetzung für die Hilfe ist, dass die teilnehmenden europäischen Staaten sich untereinander verständigen und selbst bereit sind, einen Betrag zu leisten. Die Rolle der USA beschreibt er als „freundschaftliche[] Hilfe bei dem Aufstellen eines europäischen Programms“ und in der „Unterstützung eines solchen […] sofern es uns ausführbar“[14] erscheint

 
 
  Der Marshall Plan war ein Hilfsprogramm der USA für die europäischen Staaten. Dabei ging es um deren Wiederaufbau nach den schweren Folgen des Zweiten Weltkrieges in der Nachkriegszeit. Von 1948 bis 1952 erhielten Deutschland und Europa im Marshall Plan Geld, Rohstoffe, Waren und Lebensmittel.  
  Am 5. Juni 1947 kündigte der US-Außenminister George C. Marshall in einer Rede an der Harvard-Universität ein finanzielles Hilfsprogramm für Europa an. Es sollte dem kriegszerstörten Kontinent wieder auf die Beine helfen.  
  Den USA wiederum kam der Marshallplan in mehrfacher Hinsicht zugute: Ein Wiederaufbau Europas als wichtiger Absatzmarkt half auch der eigenen durch den Krieg geschwächten Wirtschaft. Gleichzeitig gelang es dank der engen wirtschaftlichen Anbindung, Westeuropa erfolgreich vor der Sowjetunion abzuschirmen.