Die ROSE - Glocke auf dem SeierturmResponsive Resized Image mit max-width

Unsere Seierturmglocke, die genau wie eine Funkuhr!!! die vollen und halben Stunden schlägt ist, eng mit dem Beginn der Glockengießerei in Apolda verbunden:
Johann Christoph Rose goss unsere Glocke im Jahre 1720.
Der erste Glockengießer, Johann Christoph Rose, war ab 1718 in Oßmannstedt ansässig und zog 1722 nach Apolda,
um dort zwei Kirchglocken zu gießen. Eine dieser Glocken hängt heute in der Apoldaer Lutherkirche. Nach Johann Christophs Tod übernahm sein Bruder Martin Rose (1696–1758) die Glockengießerei.

Nach dessen Tod wiederum übernahmen 1759 die Söhne des Lauchaer Glockengießers Johann Georg Ulrich die Gießerei und führten sie unter dem Namen Gebrüder Ulrich weiter.
Wegen geringen Bedarfs, alle Kirchen waren mit Glocken versorgt, musste die Firma Gebrüder Ulrich 1902 Konkurs anmelden.

Heinrich Ulrich baute den Betrieb 1910 unter gleichem Namen wieder auf. Ihm gelang es, die Petersglocke des Kölner Doms zu gießen, die klangtiefste am geraden Joch frei schwingende Glocke der Welt. Die Petersglocke (im Volksmund: Dicker Pitter, auf Kölsch: Dicke Pitter genannt) ist die Glocke 1 des Kölner Domgeläuts. Sie wurde 1923 von Glockengießermeister Heinrich Ulrich (1876–1924) in Apolda gegossen und ist im Glockenstuhl des Südturmes im Kölner Dom aufgehängt.

Nach dem Tod von Heinrich Ulrich, im Jahre 1924, erfolgte die Umwandlung der Glockengießerei in eine Aktiengesellschaft.

Während des Zweiten Weltkriegs kam die Tätigkeit in der Glockengießerei vollständig zum Erliegen.
Danach wurde das Geschäft mühsam wieder aufgebaut. In diesen Jahren wurden wieder zahlreiche Kirchenglocken hergestellt, um die Verluste durch Umgießen in Kriegsmaterialien zu ersetzen.
In der DDR-Zeit entstanden beispielsweise 1955 die Zottelstedter eisernen Kirchturmglocken.
Im Jahr 1972 wurde die Glockengießerei enteignet und als VEB Glockengießerei Apolda in Volkseigentum überführt. Franz-Peter Schilling, der bis dato letzte Apoldaer Glockengießer, wurde formal als Direktor eingestellt. Er trat 1976 wegen der absurden Betriebsverhältnisse aus, um freischaffend weiterzuarbeiten.
Bei der Rückgabe nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 an das Ehepaar Schilling war die Gießerei bereits verfallen.



Nun wieder zu unserer Seierturmglocke:
Gegossen:1720
Material: Bronze
Sie hat ein Gewicht von 200 kg.
Sie misst im größten Durchmesser 650 mm.
Der Schlagton der Glocke wurde mit c2  angegeben.
Im Nachbarort Mattstedt wurde früher unsere Glocke als Dreckglöckchen bezeichnet, da man sie bei heftigen Westwind hören konnte, der meist nasses Wetter mit sich brachte und die damals unbefestigten Straßen dort verdrecken ließ.

Beschriftung:
Auf der Glocken-Schulter zwischen zwei Reifen steht der Text:

IN NAMEN GOTTES GOSS MICH IOHANN CHRISTOPH ROSE IN OSMANSTÆT 1720
(mein Freund Friedhelm Erhardt hat die Inschrift dokumentiert und mir übermittelt)