Lieber Lothar,
habe ein Schreiben gefunden, datiert mit 03.08.1973 nachfolgenden Inhalts:

Urk.674 Mai 18
Bei  0.Dobenecker,
Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringia, Bd.1(ca. 500-1152), Jena 1896 wird unter Nr. 246 die Urkunde. 874 Mai 18 erwähnt, nach der K. Ludwig die in seiner und der  Fürsten Gegenwart zugunsten des Klosters Fulda getroffene Entscheidung über die zwischen Fulda und dem Erzbischof Liutbert von Mainz streitigen Zehnten in Thüringen und anderen Landschaften bestätigt. In dieser Urkunde wird Zotteistedt als Zotanestat erwähnt.
Schon
Dobecker bezeichnete in seinem Kommentar zu dieser Urkunde diese als ein „angebliches Original".
Die neueren Untersuchungen bei
P.Kehr bezüglich der  Urkunden der deutschen Karolinger. Bd. 1: Die Urkunden Ludwigs des Deutschen, Karlsmanns und Ludwig des Jüngeren Berlin 134 (Monumenta Germaniae Historica Diplomata 1) haben für diese Urkunde, die in eben erwähnten Werk unter Nr.185 angezeigt ist, nicht nur bestätigt, dass sie unecht ist, sondern festgestellt, dass dieser Vorgang in das Jahr 876 zu datieren ist. Dieses unechte angebliche Originaldiplom aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts befindet sich neben weiteren späteren Abschriften im Staatsarchiv Marburg.

Für den Vorgang:
Vor Ludwig und seinen Großen wird der Streit zwischen dem Erzbischof
Liutbert von Mainz und dem Abt. Sigihard von Fulda über die Zehnten in Thüringen zugunsten des Klosters geschlichtet. In Ingelheim 876 Mai 18 (mit Erwähnung Zottelstedts), das ist in einer Aufzeichnung aus der Mitte des 10. Jahrhunderts sowie ein etwas jüngeres Exemplar im Staatsarchiv Marburg überliefert.

 
Zweck der Fälschung:

·    874 Mai 18
O.Dobenecker, I, 246 (s, oben und die Feststellung, dass es statt 874 richtigerweise 876 heißen muss)

·    876 Mai 18      P . Kehr    185 (s. Oben )

Zweck der Fälschung war es neben der oben erwähnten überlieferten Aufzeichnung des 10.Jahrhunderts über die Ingelheimer Verhandlung (P.KehrI, 170) von 876 auch ein richtiges königliches Diplom vorweisen zu können, das der Fälscher aus verschiedenen Vorlagen zusammenstellte, indem er das Hauptstück aus der erwähnten Aufzeichnung entlehnte.

Auf Grund. dieser Forschungsergebnisse kann nicht mehr das Jahr 074 sondern muss das Jahr 876 als das Jahr der .ersten Erwähnung des Ortes Zottelstedt herangezogen werden, wobei jedoch dafür keine Originalüberlieferung aus dem Jahr 876 selbst vorliegt , sondern eine spätere Aufzeichnung aus der Mitte des 10.Jahrhunderts bzw. etwas jünger.

Unterzeichnet und vermutlich auch angefertigt hat das Schreiben der damalige Abteilungsleiter Dr. Müller aus dem Staatsarchiv Weimar. Es wurde für deinen Dorfbürgermeister erstellt.

 

Hier zu den Zottelstedt-Seiten im Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringia, Bd.1